November 26, 2008...10:02

Gonzales in Frankfurt: Loved the Echo in this Room!

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Wie die losen, gerade vom Faden springenden Pretiosen einer gerissenen Perlenkette treffen Gonzales Schweißtropfen die im Beat gefangenen Anhänger der „Church of Gonz“ und taufen jene mit dem Extrakt zweistündigen Ganzkörpereinsatzes. Denn was ruhig, fast andächtig mit „C Major“ und „Map Of The World“ begann, hat sich schnell zum Inferno entwickelt, befeuert durch kompositorische Kleinodien, innerhalb derer sich jede einzelne Note in einen irisierenden Partikel der Diskokugel wandelt, die sofort mitten im Gehörgang hängt. „Soft Power“, das aktuelle Album, ist Hommage und Persiflage zugleich: Der Seifenblasenpop der Siebziger speiste die Gonzpiration. Und so schweben die Stücke stets zwischen Kitsch und Kunst. „Slow Down“ könnte fast schon als Softporno-Hintergrundmusik durchgehen, wäre da nicht der Phrasenpopper mit im Spiel: „I love you / but I hate you/ [..] no, it’s not love / it’s not hate / it’s the game / that we play“.

Musikgenie, Entertainer, Womanizer wider Willen – Gonzales alias Jason Beck erfüllt jede dieser Rollen spielerisch und doch ernst. Vordergründig den Künstleregomanen mimend, ist genau jener Gestus Teil seines Understatements. Der eigentliche Status versteckt sich hinter Strasskragen, Ironie, clownesquen Einlagen, und genau das macht Gonzales zum Intellektuellen im Musikzirkus schlechthin. Hörbar leichte Songs brillieren mit Wortwitz, kaum ist Gonzales tanzend über die Bühne gefegt, sitzt er am Flügel und entstreichelt den Tasten sanft eines seiner virtuosen Solo-Stücke, um im nächsten Moment auf den Korpus seines Instruments zu springen, „Take me to Broadway“ zu rappen und sich als Höhepunkt von einem sichtlich ermatteten Zuschauer auf den Schultern durch den Saal tragen zu lassen. Dazwischen markiert er immer wieder den tyrannisch angehauchten Exzentriker.

Gerade in dieser karikierten Angeberei, der Übertreibung, offenbart sich das Wesen des Gonzales: Da ist einer, der so tut, als sei er ein Genie – und ist es tatsächlich. Das Rollenspiel wird hier Koketterie, Exaltiertheit zur Untertreibung. Bescheidener lässt es sich kaum intelligenzprotzen. Wie der geneigte Zuhörer da den Ohren kaum traut, mitgeht, staunt, überkommt ihn sofort eine große Vision: Wie erfüllend müsste es sein, auf einem Bärenfell zu Füßen des Gonzales’schen Flügels zu fläzen und dort den Winter zu verbringen. Man würde viel dafür geben. Mindestens jedoch täglich das Künstler-Ego streicheln. Natürlich ausschließlich im übertragenen Sinne.

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