Paris – Am Anfang steht die Frage, ob 24 Müsliriegel, vier Dosen eines angeblich beflügelnden Energietrunks und kiloweise Kekse ausreichen, um in voraussichtlichen 27 Stunden rund 300 Musikstücken zu lauschen und nach 44 Stunden des Wachens sowie sechs Stunden Schlaf das Gewesene in Worte zu fassen. Es hat gereicht. Ein Erfahrungsbericht vom Weltrekord des längsten Konzerts eines Einzelkünstlers aus Paris.
Gonzales, franko-kanadischer Pianist und Produzent von Künstlern wie Feist oder Jane Birkin, hat sich ab der ersten Stunden des vergangenen Sonntags, 17. Mai, viel vorgenommen: Er will ins „Guinness Buch der Rekorde“. Dazu muss er mindestens 26 Stunden und 12 Minuten ununterbrochen Klavier spielen – mit Ausnahme von fünf Minuten pro Stunde, die er beliebig kumulieren kann sowie 30 Sekunden zwischen den einzelnen Stücken. Ein Inder hat den Rekord vorgelegt. An der Zither. Ein Duell mit Waffen, die verschiedener kaum sein könnten: yogische Meditationsmusik gegen infernale Ganzkörperklavierkunst. Vorbereitet hat er sich nicht, behauptet der Rekordjäger, welcher mit bürgerlichem Namen Jason Beck heißt: „Ich habe keinen Sport gemacht, nicht mit dem Rauchen aufgehört und weiter meine geliebte Schinken-Parmesan-Pizza und Schokoriegel gegessen.“ Wie und ob er den Versuch durchhalten wird – bei Gonzales ist alles möglich. Bekannt für Auftritte, die zwischen Genie, Wahnsinn, Besessenheit und Entertainment changieren, abwechselnd gehüllt in das schillernde Gewand der egomanischen Bühnendiva und die Kutte der Bescheidenheit, dürfen die Zuschauer alles erwarten, nur nicht das Erwartete. Weiterlesen →

